Ratgeber · Zinsen verstehen

Effektiver Jahreszins: was wirklich dahintersteckt

Der Sollzins allein sagt wenig. Erst der effektive Jahreszins macht Angebote vergleichbar — weil er alle zwingenden Nebenkosten enthält.

Kurz gesagt

Der effektive Jahreszins enthält den Sollzins und alle zwingenden Nebenkosten eines Kredits und ist nach § 6 PAngV einheitlich zu berechnen. Nur er ist zwischen Angeboten verschiedener Banken wirklich vergleichbar — der beworbene Zins ist meist niedriger, als er für Sie tatsächlich ausfällt.

Was der effektive Jahreszins ist

Der effektive Jahreszins ist der Preis eines Kredits in einer einzigen Prozentzahl pro Jahr — Sollzins und zwingende Nebenkosten zusammengerechnet. Zwei Kredite mit demselben Sollzins können unterschiedlich teuer sein, sobald einer davon verpflichtende Kosten wie eine Kontoführungsgebühr mitbringt. Der Sollzins zeigt diesen Unterschied nicht, der Effektivzins schon. Weil jede Bank ihn nach derselben gesetzlichen Vorgabe berechnen muss, ist er die einzige Zahl, mit der Sie Angebote verschiedener Anbieter direkt nebeneinanderlegen können.

Zusammensetzung des effektiven Jahreszinses aus Sollzins und Nebenkosten
Der effektive Jahreszins setzt sich aus dem Sollzins und den zwingenden Nebenkosten zusammen; freiwillige Zusatzleistungen bleiben außen vor.

Was er enthält und was nicht

Die Berechnung ist in§ 6 PAngVgeregelt und für alle Anbieter einheitlich. Freiwillige Zusatzleistungen zählen nicht mit.

  • Sollzins — der Grundzins auf die Kreditsumme.
  • Zwingende Nebenkosten — etwa eine verpflichtende Kontoführung für den Kredit.
  • Nicht enthalten: freiwillige Restschuldversicherung oder optionale Zusatzleistungen.

Vergleichen Sie deshalb immer zwei Zahlen: den effektiven Jahreszins und den Gesamtbetrag, den Sie am Ende zurückzahlen. Der Effektivzins macht die Angebote vergleichbar, erfasst aber nur, was die Bank verpflichtend verlangt. Eine Restschuldversicherung, die Ihnen beim Abschluss angeboten wird, fehlt in dieser Zahl und kann die tatsächlichen Kosten des Kredits dennoch deutlich erhöhen. Erst der Gesamtbetrag inklusive aller gewählten Zusatzleistungen zeigt, was Sie wirklich zahlen.

Rechenbeispiel

Ein Ratenkredit über 18.000 € mit 60 Monaten Laufzeit. Alle Werte sind frei gewählt und zeigen den Rechenweg.

Kreditbetrag18.000,00 €
Sollzins (gebunden)5,74 % p. a.
Zwingende Nebenkostenim Zins enthalten
Effektiver Jahreszins5,90 % p. a.
Monatliche Rate345,87 €
Gesamtbetrag20.752,22 €

Warum der beworbene Zins selten Ihrer ist

Nach § 6a Absatz 3 PAngV muss ein beworbener Zins mindestens zwei Dritteln der tatsächlich abgeschlossenen Verträge entsprechen. Ein Drittel der Kunden zahlt also zulässigerweise mehr — häufig deutlich mehr, je nach Bonität.

Verteilung bonitätsabhängiger Zinssätze gegenüber dem beworbenen Zweidrittelzins
Die Grafik zeigt, wie sich die tatsächlich vergebenen Zinssätze je nach Bonität verteilen: Zwei Drittel der Verträge liegen beim beworbenen Zins oder darunter, das verbleibende Drittel darüber.

Häufige Fehler

Nur den Sollzins vergleichen

Der Sollzins allein sagt wenig über die tatsächlichen Kosten aus. Vergleichbar ist nur der effektive Jahreszins.

Den beworbenen Zins für realistisch halten

Er muss gesetzlich nur für zwei Drittel der Kunden gelten. Ihr persönlicher Zins hängt von der Bonität ab und kann höher ausfallen.

Freiwillige Zusatzleistungen übersehen

Eine Restschuldversicherung zählt nicht in den effektiven Jahreszins, erhöht aber die Gesamtkosten spürbar.

Keine Beratung im Einzelfall

Die Angaben auf dieser Seite sind allgemeine, sorgfältig recherchierte Informationen und keine Rechts-, Steuer- oder Finanzberatung im Einzelfall. kredura vermittelt keine Kredite und ersetzt kein Gespräch mit Ihrer Bank oder einer Schuldnerberatung. Bei Zahlungsschwierigkeiten hilft eine anerkannte, unabhängige Schuldnerberatungsstelle weiter.

Häufige Fragen

Ist der effektive Jahreszins immer höher als der Sollzins?

In der Regel ja, da er zusätzliche zwingende Kosten enthält. Bei reinen Zinskrediten ohne Nebenkosten können beide Werte nahezu identisch sein.

Warum weichen beworbener und tatsächlicher Zins voneinander ab?

Weil der beworbene Zins nach § 6a Absatz 3 PAngV nur für mindestens zwei Drittel der abgeschlossenen Verträge gelten muss. Je nach Bonität zahlen Sie mehr.

Zählt eine Restschuldversicherung mit hinein?

Nein, wenn sie freiwillig ist. Sie erhöht aber die tatsächlichen Gesamtkosten, auch wenn sie im effektiven Jahreszins nicht auftaucht.

Wie finde ich meinen tatsächlichen Zins vorab heraus?

Über eine unverbindliche Konditionsanfrage bei der Bank, oder näherungsweise über den Zinsrechner aus Kreditsumme, Rate und Laufzeit.

Quellen

  1. § 6 PAngV, Berechnung des effektiven Jahreszinses.
  2. § 6a PAngV, Werbung mit Zinssätzen und Zweidrittel-Regel.
  3. § 491a BGB, vorvertragliche Informationspflichten der Bank.
  4. Deutsche Bundesbank, Zinsstatistik für Konsumentenkredite.

Alle Quellen abgerufen am 18.10.2026. Zinsangaben geben den Stand der Auswertung wieder und ändern sich täglich.

Porträt von Viktor Pasztor

Viktor Pasztor

Betreiber und Autor von kredura

Viktor Pasztor betreibt kredura.de als Einzelperson und verantwortet jeden veröffentlichten Text selbst. Sein Hintergrund ist Betriebswirtschaftslehre (HTW), sein Fokus liegt auf Kreditvergleich und Umschuldung – mit dem Anspruch, Rechenwege offenzulegen statt nur Ergebnisse zu zeigen.

Qualifikation und fachliche Prüfung: Viktor Pásztor hat Betriebswirtschaftslehre (BWL) an der HTW Berlin studiert und arbeitet seit über 15 Jahren im Online-Marketing als unabhängiger SEO- und Content-Spezialist. Er betreibt selbst Vergleichs- und Content-Websites wie preisalert.de und gravelbike-universum.de (mehr unter viktorpasztor.de). Finanzielle und rechtliche Angaben in diesen Beiträgen stützen sich zusätzlich auf die jeweils verlinkten offiziellen Quellen. Profil ansehen · Redaktionelle Grundsätze

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